Glaubensgrundsätze der Aleviten

 Das Alevitentum bietet eine umfassende Sicht der Welt, die die Entstehung des Universums, die Vergangenheit der Menschheit, die Vervollkommnung der Menschen, die Beziehungen zwischen Gott und Menschen sowie zwischen Menschen und Natur und die Zukunftsvisionen behandelt und die dazugehörige Fragen beantwortet. Im Hinblick auf die spezifisch alevitische Weltsicht wird deshalb zu Recht in Veröffentlichungen die Eigenständigkeit des Alevitentums betont. Jede Beschreibung des Alevitentums sollte von dem Gesamtkonzept des Alevitentums ausgehen und sich darum bemühen, mit den alevitischen Glaubensgrundlagen, der alevitischen Ethik und der alevitischen Weltsicht konform zu gehen. Das Gebäude des alevitischen Glaubens hat seine eigene Struktur und unterscheidet sich in seinem Aufbau von anderen Glaubensrichtungen, insbesondere von dem des sunnitischen Islam. Im Folgenden sollen ohne jegliche ‚Bewertung’ Unterschiede zum sunnitischen Islam aus verschiedenen Bereichen zusammengestellt werden, die die in Abschnitt 1.1 genannten ergänzen.

 

Aleviten betonen die Sinnhaftigkeit und den Gehalt des von ihnen auf dem Weg zur Erfüllung ihrer ethischen Anweisungen erreichten Status, – sie verhalten sich also modern gesprochen outputorientiert. So verteidigen sie auch nicht die Form der Gebete und Äußerlichkeiten, wie es das Sunnitentum tut, das die Scharia (islamisches Gesetz) als Religionskodex vorschreibt und die Einhaltung durch den Einzelnen kontrolliert.

 

Das Alevitentum ist eine Gemeinschaftsreligion, dahingehend, dass die Gemeinsamkeit der Gläubigen und ihr Eintreten füreinander betont werden. Das gemeinsame Gebet und die Herstellung des „Einvernehmens (rızalık)"unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei den Gottesdiensten, das dann auch in das Alltagsleben ausstrahlt, zielt auf die Reifung und letztlich Vervollkommnung aller Gläubigen in der Gemeinde. Demgegenüber erwartet das Sunnitentum von seinen Anhängern, dass jedes Individuum auf seinem eigenen Weg die Pflichten erfüllen soll, die ihm den Zugang zum Paradies eröffnen können, – wobei es letztlich in dem unerforschlichen Willen des ‚Richtergottes’ steht, ob er diesen Zugang gewährt. Aleviten betonen die Sinnhaftigkeit und den Gehalt des von ihnen auf dem Weg zur Erfüllung ihrer ethischen Anweisungen erreichten Status, – sie verhalten sich also modern gesprochen outputorientiert. So verteidigen sie auch nicht die Form der Gebete und Äußerlichkeiten, wie es das Sunnitentum tut, das die Scharia (islamisches Gesetz) als Religionskodex vorschreibt und die Einhaltung durch den Einzelnen kontrolliert.

 

Das Alevitentum...

... betont das „Einssein“ bzw. „Einswerden“ d. h. es sieht in dem Prozess des ‚Einswerdens’ als Ziel eine innige Verbindung von Gott und Mensch, die als ‚Eins’ einem Ausdruck der Vollkommenheit vorgestellt wird. Demgegenüber betont das Sunnitentum einen Dualismus, in dem zwischen Gott, als dem Herrn und Schöpfer oben und dem als Untertan geschaffenen Menschen unten eine Kluft besteht, die bestenfalls durch einen Gnadenerweis Gottes kurzzeitig überbrückt werden kann

... hat als Ziel, dass der Mensch auf der Welt versucht, durch sein Bestreben, die Vervollkommnung zu erreichen. Demgegenüber setzt das Sunnitentum seinen Gläubigen das Ziel, durch Pflichterfüllung gegenüber Gott die Anwartschaft auf den Zugang zum Paradies zu erlangeDas

... ist eine Gemeinschaftsreligion, dahingehend, dass die Gemeinsamkeit der Gläubigen und ihr Eintreten füreinander betont werden. Das gemeinsame Gebet und die Herstellung des „Einvernehmens (rızalık)"unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei den Gottesdiensten, das dann auch in das Alltagsleben ausstrahlt, zielt auf die Reifung und letztlich Vervollkommnung aller Gläubigen in der Gemeinde. Demgegenüber erwartet das Sunnitentum von seinen Anhängern, dass jedes Individuum auf seinem eigenen Weg die Pflichten erfüllen soll, die ihm den Zugang zum Paradies eröffnen können, – wobei es letztlich in dem unerforschlichen Willen des ‚Richtergottes’ steht, ob er diesen Zugang gewährt.

 

 

    Quelle:  Kaplan, I. (2004). Das Alevitentum: Eine Glaubens- und Lebensgemeinschaft in Deutschland (1., Aufl.). AABF- Alevitische Gemeinde Deutschland.